Der frühe Vogel kann mich mal! Warum du nicht jeder Erfolgsregel blind folgen solltest

Erfolgreiche Geschäftsleute verfügen über bestimmte innere Einstellungen, Handlungsweisen und Gewohnheiten. Erfolg im Business kommt nicht von ungefähr und daher kann es nie falsch sein sich von Menschen, die es bereits “geschafft” haben, inspirieren zu lassen. Auch ich tue dies gerne und gebe meine daraus gewonnen Erkenntnisse regelmäßig in meinem Blog wieder.

In Artikeln wie “7 Angewohnheiten, die dich erfolgreicher machen” oder “Erfolg 2.0 – was du von Bill Gates, Warren Buffett und Mark Zuckerberg lernen kannst” beschreibe ich Angewohnheiten und Techniken wie Morgenrituale oder die Pomodoro-Technik – “Tricks”, die vielen Menschen dabei helfen erfolgreicher zu werden.

Im heutigen Artikel möchte ich nun aber endlich mit einem weit verbreitetem Mythos aufräumen. Dieser lautet: “Mach alles wie Person XY und du wirst Erfolg haben” bzw. “Du MUSST exakt so und so handeln um erfolgreich zu werden”. Was damit gemeint ist: “Nur wer die Handlungs- und Denkmuster erfolgreicher Menschen exakt kopiert kann selbst erfolgreich werden”.

In zahlreichen Blogs und Fachartikeln zum Thema Persönlichkeitsentwicklung wird gepredigt, dass man seinen Weg genauso so beschreiten sollte wie in diesen beschrieben, alles andere würde zu nichts führen. Zitate von denen, die es geschafft haben, werden auf die Goldwaage gelegt und als einziger Maßstab für das eigene Business angeführt.

Und hier sehe ich einen grundsätzlichen Fehler. Schließlich ist jeder Mensch für sich einzigartig und es wird daher in den meisten Fällen nicht zum Erfolg führen wenn man versucht erfolgreiche Geschäftsleute einfach nur nachzuahmen.

 

Ein Beispiel:

Ich habe in der Vergangenheit öfter gelesen, dass viele erfolgreiche Menschen die Eigenschaft des Frühaufstehers in sich vereinen. Dies las sich für mich nur allzu logisch: Wer früh aufsteht hat schließlich viel vom Tag und kann daher besonders viel schaffen. Der bekannte Unternehmer und Visionär Richard Branson beispielsweise steht angeblich jeden Tag um 5.45 Uhr auf, First Lady Michelle Obama sogar schon um 4.30 Uhr. Nun war ich aber eigentlich schon immer ein Mensch, der lieber später aufsteht, erst im Laufe des Tages so richtig aktiv wird und seinen Leistungshöhepunkt meist ab nachmittags oder abends erreicht. Egal, so oft wie ich gelesen hatte, dass Frühaufstehen zum Erfolg führt, musste ich es einfach ausprobieren. Also stellte ich mir fortan meinen Wecker extrafrüh.

Das Ergebnis: ernüchternd! Ich musste mich täglich regelrecht aus dem Bett quälen und merkte, dass ich in den ersten ein bis zwei Stunden eigentlich zu nichts richtig zu gebrauchen war. D.h. ich habe in dieser Zeit zwar schon gearbeitet aber das Arbeiten ging mir wesentlich schwerer von der Hand als sonst, meine Gedanken schienen langsamer zu laufen als normal und im Endeffekt brauchte ich für manche Aufgaben fast doppelt so lange wie ich es gewohnt war. Meinen Leistungshöhepunkt erreichte ich nach einigen Tagen zwar früher als gewohnt (schon mittags), dafür ging es danach aber rapide bergab: Durch das frühe Aufstehen gelang es mir nicht mehr abends so lange durchzuhalten, wie ich es sonst tat und im Endergebnis schaffte ich so an einem Arbeitstag weniger als vorher.

Musste ich mich nur erst an die Umstellung gewöhnen?, magst du dich jetzt fragen. Die Antwortet lautet: Nein, denn ich habe es mit dem früh aufstehen mehrere Wochen lang versucht ohne, dass Besserung eingetreten wäre.

Der frühe Vogel kann mich mal!

“Der frühe Vogel fängt den Wurm”? “Morgenstund hat Gold im Mund”? Bei mir offensichtlich nicht. Auch wenn es überall gepredigt wird: Früh aufstehen ist einfach nichts für mich und Wissenschaftler gehen mittlerweile sogar davon aus, dass es unter uns Menschen genetisch bedingt “Eulen” und “Lerchen” gibt und dass die Langschläfer oft kreativer als Frühaufsteher sind. In dem Artikel “Langschläfer sind schlauer und kreativer” steht beispielsweise sogar, dass sie tendenziell intelligenter und beruflich erfolgreich sind sowie über mehr mentales Durchhaltevermögen verfügen, was durch Studien gestützt wird.

Und woran soll ich mich jetzt halten?

Aber Moment – widerspricht dies nicht dem, was man immer liest? Ganz genau! Hiermit wollte ich dir einfach nur aufzeigen, dass es DEN EINEN Weg einfach nicht gibt. Bist du beispielsweise von Natur aus ein Frühaufsteher, wird es deinem Erfolg nicht zuträglich sein zu versuchen auszuschlafen und so am Abend länger durchzuhalten. Generell wirst du sowieso zu jedem Mantra, welches in der Persönlichkeitsentwicklung gepredigt wird, irgendwo anders einen Widerspruch finden.

Ich bin der Meinung, dass man mit dem richtigen Mindset kombiniert mit viel Fleiß zum Erfolg kommt. Dieses Mindset muss man aber mit der Zeit für sich selbst individuell aufbauen und verinnerlichen. Es hilft die Angewohnheiten erfolgreicher Menschen zu studieren und sich daraus Handlungs- und Denkweisenweisen abzuleiten. Man sollte sich allerdings nur daran orientieren und nicht zwanghaft versuchen genauso zu sein wie jemand anderes.

Klar, das ist sicher anstrengender, als blind anderen zu folgen! Aber es ist auch um einiges effektiver und am Ende wirst du dich sehr viel wohler fühlen!

Höre auf Empfehlungen blind zu folgen, probier aus, was du interessant findest, und entscheide dann selbst, was dir gut tut und dich weiterbringt.

Also: Lass dich ruhig inspirieren, aber geh deinen eigenen Weg!

2 Kommentare

  1. Claudia Enneker   •  

    Genau, liebe Jessica! Wahre und weise Worte. So individuell wie wir Menschen sind, so individuell sind die jeweiligen Lösungswege. Nichts ist zielführender als das eigene Mindset und die persönliche Vision. Potentielle Kunden entlarven mangelnde Authentizität sofort. Warum sollten wir die mangelhafte Blaupause von irgendjemand sein und nicht das wahrhaftige Original von uns selbst, unseren Fähigkeiten und unserer Art? Aus Deinen Worten spricht sehr viel Erfahrung in Beruf und Leben sowie eine gesunde Portion Selbstliebe. Gerade heutzutage ist es mit den schier unendlichen Beeinflussungen aus Medien und Alltag schwierig, ein gewisses Selbstbewusstsein und daraus resultierend ein eigenes Profil ob privat oder beruflich zu entwickeln (das kennen viele meiner Klienten aus eigener leidvoller Erfahung). Da ist so ein Text wie Deiner ein schöner Impuls. Vielen Dank dafür und liebe Grüße!

  2. Thomas Mangold   •  

    Hallo Jess!

    Wie genau bist du das „früher aufstehen“ denn angegangen?

    lG Thomas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zum Newsletter anmelden & Gratis Ebook herunterladen!