Schluss machen – Hart, aber manchmal nötig

Eine der wichtigsten Eigenschaften erfolgreicher Unternehmer ist Durchhaltevermögen. Nur wer an sich selbst und sein Projekt glaubt und sich von Rückschlägen nicht entmutigen lässt wird Großes vollbringen können. Wie wichtig es ist durchzuhalten und beim Aufkommen von Gegenwind nicht sofort das Handtuch zu werfen habe ich in meinen Blogartikeln schon oft erwähnt und natürliche handele ich selbst auch nach diesem Grundsatz. Manchmal muss man jedoch einfach die Reißleine ziehen und ein Projekt abbrechen – auch wenn es wehtut.

Daher möchte ich dir im heutigen Artikel zeigen woran du erkennst, dass eine Idee oder ein ganzes Business nicht funktionieren und wann der richtige Zeitpunkt ist um “Schluss” zu machen. Starten möchte ich gleich erst einmal mit einem Beispielprojekt von mir selbst, welches ich leider abbrechen musste. Los geht’s!

 

Ein Beispiel

Wie du eventuell weißt steigen hierzulande immer mehr Raucher (ich bin allerdings Nicht-Raucher ;) ) auf die elektronische Zigarette um, Schätzungen zufolge soll es bereits etwa zwei bis drei Millionen “Dampfer” (so nennen sich die Konsumenten der E-Zigarette selbst) in Deutschland geben und es werden täglich mehr. Neben den elektronischen Zigaretten, von denen man mindestens eine pro Dampfer braucht (es erscheinen auch ständig neue Modelle), benötigen diese auch regelmäßig Zubehör wie Verdampfer (Verschleißteile) oder Liquids (nikotinhaltige Nachfüllflüssigkeit).

Das Angebot ist groß und da elektronische Zigaretten vor allem online gekauft werden gibt es eine dreistellige Anzahl an spezialisierten Onlineshops. Nun hatte ich vor einiger Zeit die Idee eine Webseite zu diesem Thema zu bauen, welche es in dieser Form noch nicht gab (und bis heute nicht gibt) und sie per Affiliate-Marketing zu monetarisieren.

Das Einnahmenpotential dieses Projektes wäre riesig gewesen und da ich mit einer “perfekten” Webseite an den Start gehen wollte, die Dampfern echten Mehrwert liefert, fing ich an mein Projekt von vorne bis hinten durchzuplanen. Wie sollte die genaue Menüstruktur aussehen? Wie gestalte ich den Content am sinnvollsten? Über welche Quellen und mit welchen Mitteln generiere ich Traffic? Welche Influencer spreche ich an – und wie? Wie baue ich meine Newsletter? Welches Theme und welche Plugins soll ich verwenden?

Über all diese Fragen und dutzende mehr machte ich mir ausführlich Gedanken, recherchierte, probierte und formulierte mein Projekt über eine zweistellige Anzahl an DIN A4-Seiten aus. Auch erste Texte schrieb ich für mein E-Zigaretten-Projekt schon. Worauf ich hinaus will: Ich investierte viel Arbeit und Mühe in das Projekt und war nach etwa 50 investierten Arbeitsstunden Feuer und Flamme es demnächst richtig starten zu können.

Und dann? Dann wurde eine Gesetzesänderung angekündigt, die mein Projekt gefährdete. Schließlich trat diese auch in Kraft und Onlinewerbung für E-Zigaretten wurde verboten. Bei Zuwiderhandlung drohen nun Strafen bis 30.000 Euro.

Da ich schon so viel Zeit in mein Projekt investiert hatte suchte ich natürlich nach Schlupflöchern und investierte so noch einmal viele Stunden bis ich schließlich einsah, dass ich meine Affiliate-Webseite einstampfen muss.

Ja, es tat wirklich weh. All die im Voraus investierte Arbeit, all die Begeisterung waren umsonst. Eventuell hätte ich mein Projekt mit einem findigen Anwalt, einer Verlegung meiner Webseite ins Ausland oder anderen Schritten doch noch in abgeänderter Form durchziehen können, doch dazu hätte ich noch mehr Zeit und Geld investieren müssen und hätte mich anschließend dennoch in einer rechtlichen Grauzone bewegt. Daher musste ich an diesem Punkt einfach “Schluss machen”: Das Risiko stand in keinem Verhältnis zum Aufwand.

 

Eine gute Analyse ist die halbe Miete

Die Gesetzesänderung, die meinen Erfolg verhindert, konnte ich in diesem Fall zwar nicht kommen sehen, dennoch musste ich sie irgendwann einfach akzeptieren und aufhören weiter an meinem Projekt zu arbeiten. Ein totes Pferd kann man bekanntlich nicht reiten – oft kann man jedoch schon vor dem Start eines Projektes durch eine sorgfältige Analyse herausfinden ob dieses zum Scheitern verurteilt ist. Dabei helfen folgende Fragen:

  • Ist die Zielgruppe/ das Marktpotential groß genug?
  • Stehen Aufwand und Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis?
  • Verhindern Gesetze mein Vorhaben?
  • Gibt es schon eine ähnliche Webseite/ ein ähnliches Projekt – falls ja: Kann ich besser sein?
  • Verfüge ich über genug Zeit und Geld das Projekt zum Erfolg zu führen?

Sowohl in der Planungsphase als auch wenn dein Projekt bereits läuft und du über einen Abbruch nachdenkst ist es wichtig absolut ehrlich zu dir selbst zu sein. “Schluss machen” sollte immer der allerletzte Ausweg sein und du solltest ihn nur wählen wenn du dein Projekt sorgfältig geprüft und herausgefunden hast, dass es wirklich keinen Sinn mehr macht dieses weiterzuführen. Anstatt dann trotzdem an diesem zu hängen solltest du es beenden und deine Zeit und dein Geld in andere Projekte investieren.

Hast du schon einmal ein Projekt abbrechen oder gar ein ganzes Business einstampfen müssen? Falls ja: Woran lag es bei dir und was hast du daraus gelernt?

8 Kommentare

  1. Sabine Preissler   •  

    Hallo Jessica,
    ich habe auch schon ein Projekt einstampfen müssen, weil ich gemerkt habe, das es viel zu viele Bewerber gab und das Thema mir nicht lag. Eine Webseite ist immer nur so gut, wie das Angebot darauf. Jedoch wenn zuviele das Gleiche machen, und du siehst, das es aussichtlos ist, dann obwohl Herzblut drinnen steckt, einstampfen.

    Wunden lecken und wieder etwas Neues ausprobieren. Das Wichtigste ist immer, nicht aufzuhören. Sondern immer wieder aufstehen und probieren.

    Beste Grüße
    Sabine

    • Jessica Ebert   •     Author

      Hallo Sabine, genau, es ist wichtig zu erkennen und zu entscheiden. Aber vor allem darf man sich nicht davon runterziehen lassen. VG Jess

  2. Claudia Barfuss   •  

    Hallo Jessica
    Ich musste erst Ende Februar einen Schlussstrich ziehen. Allerdings wurde mir das von Aussen aufgezwungen. Nachdem ich während 16 Monaten sehr viel Arbeit und ebenso viel Geld investiert hatte, hat mich meine Geschäftspartnerin vor vollendete Tatsachen gestellt. Das Webportal an dem wir so hart gearbeitet hatten war gerade online, da hat sie mir mitgeteilt, sie wolle nicht mehr, dass ich im operativen Geschäft sei, ich könne aber natürlich als Aktionärin bleiben. Nett!! Nachdem ich den ersten Schock verdaut hatte, wollte ich vor Gericht und sie einklagen. Aber ich habe dann eingesehen, dass ich noch mehr Energie und Geld in eine negative Sache investiere. Ich habe mich aus diesem Projekt zurückgezogen und mache nun wieder mein eigenes Ding. So kann ich mich wieder auf Positives konzentrieren. Unter dem Motto: Nur wer loslässt hat beide Hände frei.
    Herzliche Grüsse aus der Schweiz.
    Claudia

    • Jessica Ebert   •     Author

      Hallo Claudia, das ist ja echt blöd! Aber gut, dass du deine Energie jetzt auf das Gute und Neue richten kannst. Viel Erfolg bei deinem Vorhaben :) Vg Jess

  3. Sascha   •  

    Machmal hilft es auch über den Schmerz hinweg, wenn man weiß, dass man jetzt wieder Zeit für etwas Neues hat. :-)

  4. Hans-Jürgen Ramisch   •  

    Projekte einstampfen und einen Schlussstrich ziehen ist aus meiner Sicht leider unumgänglich. Nicht immer sind alle Folgeprobleme am Anfang ersichtlich, mal gibt es Änderungen im Umfeld (wie bei Dir die Gesetzeslage), mal ist auch der Partner irgendwie dann doch nicht der Richtige gewesen und mal gibt es (glücklicherweise) neue Chancen durch neue Wege (z.B. Affiliate-Lösungen).

    Wichtig ist nur, irgendwie den Absprung zu schaffen und nicht das tote Pferd weiter zu reiten. Und die Kraft in die Realisation eines neuen Ziels zu stecken…

  5. dirkfuge   •  

    Hi Jessica,

    gerade als Einsteiger ist man vollkommen euphorisch und stürzt sich auf die erst beste Idee. Die Enttäuschung ist groß wenn dann nicht gleich über Nacht die Millionen aufs Konto fließen. ;-)

    Von meinem ersten Blog hatte ich mir auch viel versprochen, jedoch aus vollkommener Ahnungslosigkeit lag ich auch vollkommen daneben. Anstatt alles hin zu schmeißen entwickelte ich mein zweites, drittes und viertes Projekt. Und mit jedem Projekt kam auch mehr Erfahrung und Erfolg.

    Jedoch beerdige ich meine Projekte nicht gleich. Auf Eis legen und immer mal wieder überlegen was ich ändern könnte, machen mir den Abschied nicht so schwer.
    Solange noch ohne mein dazutun ein paar Adsense Einnahmen rein kommen, lasse ich den kranken Gaul noch laufen. ;-)

    Viele Grüße Dirk

  6. Pingback: TOP-7 Unternehmerlinks KW 34/2016 | Vorbildunternehmer des Jahres 2016

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