Web-Psychologie: Wie Farben User beeinflussen

“Rot steht für die Liebe, Grün ist die Farbe der Hoffnung” – Aussagen wie diese hast du sicher schon oft gehört. Schließlich verbinden wir mit bestimmten Farben oft auch bestimmte Gefühle und auch beim Einrichten von Räumen entscheiden wir uns  für gewisse Farben um das Zimmer beispielsweise hell und einladend oder größer wirken zu lassen. Es ist unzweifelhaft, dass Farben uns und unsere Gemütslage beeinflussen können. Dennoch, so ist mein Gefühl, suchen sich die meisten Menschen beim Erstellen ihrer Webseite einfach eine Farbe bzw. mehrere Farben aus, die ihnen zusagen und bedenken dabei nicht, dass sich User durch eine bestimmte Farbwahl auch in gewisser Weise beeinflussen lassen. Neben gutem Content, einem leicht verständlichen Design und einer insgesamt technisch einwandfreien Webseite kannst du mit den richtigen Farben jedoch einiges erreichen.

Daher möchte ich mich im heutigen Artikel mit diesem oft stiefmütterlich behandelten Thema beschäftigen und dir zeigen wie man sein Wissen über Farbenkunde zu Marketingzwecken auf der eigenen Webseite nutzen kann.

 

Einführung in die Farbenlehre

Um dir zu verdeutlichen, was man mit welchen Farben assoziiert, möchte ich erst einmal mit ein paar Farbbeispielen starten:

Blau

Blau wirkt seriös und vermittelt Vertrauen, kann aber auch etwas kühl wirken. Man assoziiert die Farbe Blau vor allem mit dem blauen Himmel und dem blauen Meer, weshalb es auf uns auch beruhigend wirkt.

Rot

Rot steht üblicherweise für “Achtung!” oder “Gefahr!”. Es ist eine Signalfarbe, die beispielsweise auf Schildern und bei Ampeln eingesetzt wird um unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Daher funktioniert sie natürlich auch wenn du auf deiner Webseite beispielsweise auf ein limitiertes Angebot hinweisen möchtest (“Achtung: Nur noch heute…”).

Grün

Grün ist, wie bereits erwähnt, die Farbe der Hoffnung. Sie vermittelt aber auch Frische und Natürlichkeit und kann daher ideal eingesetzt werden wenn es beispielsweise um Natur- oder Gartenthemen geht.

Schwarz

Schwarz wird nicht nur mit Trauer, sondern auch mit Eleganz verbunden. Daher werden beispielsweise hochwertige Autos oder HiFi-Anlagen oft in dieser Farbe beworben. Außerdem schwingt bei der Farbe Schwarz auch ein gewisser Hauch von “geheimnisvoll” mit. Zu stark eingesetzt lässt die Farbe allerdings alles eher düster wirken. Wenn du also nicht gerade eine Webseite für ein Gruselkabinett aufbaust solltest du sie sparsam einsetzen.

Weiß

Weiß steht für Reinheit und Frische aber auch für Sicherheit. Man kann es auf einer Webseite sehr gut großflächig (als Hintergrundfarbe) einsetzen um Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit zu vermitteln. Außerdem lässt sich Weiß wunderbar mit allen anderen Farben kombinieren.

Gelb

Gelb wird meist mit Wärme und Energie assoziiert – kein Wunder, nehmen wir doch die Sonne als gelb wahr. Darüber Hinaus ist Gelb jedoch, genau wie Rot, auch eine Warn- bzw. Signalfarbe und kann daher ebenfalls gut zur Kennzeichnung von Angeboten eingesetzt werden. Du solltest allerdings (ebenso wie bei Rot) darauf achten diese Farbe nicht zu stark einzusetzen, da uns zu viel Gelb leicht überfordert.

 

Was möchte ich erreichen?

Vor der Farbwahl bei einer Webseite sollte immer die Frage “Wen möchte ich ansprechen und was möchte ich erreichen?” stehen. Während beispielsweise die Webseite einer Zahnarztpraxis vor allem seriös wirken soll und ruhig etwas “kühl” daherkommen darf, möchte man mit einem persönlichen Blog über Beziehungstipps eine ganz andere Zielgruppe ansprechen und sollte daher eher auf warme Farben setzen. Das Wichtigste ist, dass sich der Besucher auf deiner Webseite wohlfühlt und die verwendeten Farben zu deinem angebotenen Produkt bzw. zu deiner Dienstleistung passen.

 

Extratipp

Doch wie bekomme ich nun ein gutes Gefühl dafür was funktioniert und was nicht?

Ein Tipp, der mir persönlich beim Gestalten von Webseiten sehr geholfen hat, ist folgender: Du musst das Rad nicht unbedingt neu erfinden: Schaue dir einfach mal in Ruhe die größten und erfolgreichsten Webseiten wie Amazon und Co. an. Du wirst sofort feststellen, dass sie alle eine Gemeinsamkeit haben: Sie sind mit viel Weiß und generell recht hell gestaltet worden. Du wirst vermutlich nicht eine einzige große und erfolgreiche Seite entdecken, die beispielsweise einen dunklen Hintergrund mit weißer Schrift darauf hat. Daraus kannst du dir ableiten, dass du es mit allzu großflächigen, knalligen Farben nicht übertreiben solltest. Du möchtest bei deinen Besuchern schließlich keinen “Augenkrebs” verursachen.

Schau dir auch unbedingt andere Webseiten aus deiner Branche an und lasse sie – ohne auf den Inhalt oder das Design zu achten – auf dich wirken. Schreibe dir auf welche Seiten auf dich am besten und vertrauenswürdigsten gewirkt haben und welche nicht und notiere dir anschließend die verwendeten Farben um ein Muster für dich ableiten zu können.

Signalfarben solltest du am besten nur als – wie der Name schon verrät – “Signal” einsetzen. Während Angebote und Preisangaben in rot beispielsweise total anziehend wirken können, verfliegt die Signalwirkung dieser Farbe schnell wenn du sie allzu oft einsetzt.

Hast du bereits mit verschiedenen Farben auf deiner Webseite experimentiert? Wenn ja: Wie sind deine Ergebnisse ausgefallen?

PS: Wusstest du schon, dass du auch den Wiedererkennungswert deiner Webseite durch eine gute Farbwahl stark steigern kannst?

2 Kommentare

  1. ed-portal   •  

    Das ist wirklich ein interessantes Thema! Der Artikel ist sehr inspirierend, bringt einen dazu, sich einmal etwas näher mit der Farbenlehre auseinanderzusetzen. Das mit den hellen Webseiten stimmt, zu dunkle oder knallige Designs sprechen einfach nicht genug Menschen an.

  2. M.J. Zohner   •  

    Hallo Frau Ebert,

    Ihr Artikel bedarf meiner Ansicht nach einer Ergänzung. Diese Farbenlehre, wie Sie diese dargestellt haben, ist sicher richtig. Oftmals ist aber die ausgesuchte Farbe nicht typgerecht. Kunden bekommen oft ein ungutes Gefühl, wenn z.B. die eigene Unternehmensfarben jemanden blass oder gar kränklich aussehen lassen. Das wird oft von vielen Unternehmensberatern übersehen. Wir empfehlen die Farben nach dem Typ auszusuchen, denn die meisten Einzelunternehmer(innen) werben vor allem mit sich selbst- da sollte dieses Thema gut ausgearbeitet sein.

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